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Samstag, 26. Oktober 2024
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Verirrte Kuh wird zum besten Bergführer Appenzells

Eine entlaufene Appenzeller Kuh übernahm spontan die Führung einer Wandergruppe – und bewies dabei bessere Ortskenntnisse als der bezahlte Guide.

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APPENZELL — Was als gemütliche Wanderung für eine Touristengruppe aus Hamburg geplant war, entwickelte sich zu einer unvergesslichen Begegnung mit einer ungewöhnlichen "Reiseleiterin". Die achtköpfige Gruppe war unterwegs auf dem Säntis-Weg, als sie auf eine offensichtlich verirrte Kuh trafen.

"Zuerst dachten wir, das arme Tier sei verloren", erzählt Gruppenleiter Thomas Huber (38). "Doch dann bemerkten wir, dass die Kuh entschlossen voranschritt – und uns immer wieder ansah, als wolle sie sagen: 'Folgt mir, ich kenne den Weg!'"

"Sie führte uns auf perfekten Pfaden, umging rutschige Stellen und fand sogar eine Quelle, von der wir nichts wussten. Unser eigentlicher Guide musste zugeben, dass er einige der Wege nicht kannte."

— Sarah Meier, Touristin aus Hamburg

Laut Augenzeugenberichten marschierte die Kuh, später identifiziert als "Bella" vom Hof der Familie Koller, etwa zwei Stunden lang vor der Gruppe her. Sie wählte nicht nur den sichersten, sondern auch den landschaftlich reizvollsten Weg zurück zur Alp, wo sie eigentlich hingehörte.

"Bella hat uns direkt zu ihrer Weide geführt", so Huber weiter. "Dort trafen wir auf den besorgten Besitzer, der schon nach ihr suchte. Er war erleichtert – und etwas amüsiert, dass seine Kuh jetzt Wandergruppen führt."

Wie gut wäre Bella als Bergführerin?

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Wussten Sie schon?

Appenzeller Kühe haben einen ausgezeichneten Orientierungssinn. Studien zeigen, dass sie sich an markanten Geländepunkten orientieren können und sogar Wetterwechsel vorhersagen.

Die Geschichte verbreitete sich schnell in der Region. Markus Koller, Bellas Besitzer, zeigte sich nicht überrascht: "Bella war schon immer die Klügste der Herde. Sie kennt diese Berge wie ihre Westentasche – besser als so mancher Einheimische."

Tourismusverbände der Region sehen in dem Vorfall sogar Werbepotenzial. "Vielleicht bieten wir zukünftig 'Kuh-geführte Wanderungen' an", scherzt Lisa Schneider vom Appenzell Tourismus. "Nachhaltiger und authentischer geht es kaum."

Die Hamburger Touristengruppe jedenfalls war begeistert. "Bella hat nicht nur den Weg gewiesen, sondern auch für ausgezeichnete Stimmung gesorgt", schwärmt Teilnehmerin Sarah Meier. "Sie bekam am Ende eine Extraportion Heu von uns – und wir eine Geschichte, die wir nie vergessen werden."